01 Juni 2015

Das Mehl liegt auf dem Friedhof (Rezept für Marmorkuchen)

Als Kind bekamen wir von Oma oft ein Paket geschickt. Sie wohnte zu weit weg um mal eben auf einen spontanen Besuch vorbei zu kommen. Daher verbrachte sie Anlässe wie Weihnachten meist gleich mehrere Wochen am Stück bei uns. Zu anderen Gelegenheiten, wie bspw. Ostern oder wenn von uns Kindern jemand Geburtstag hatte und sie nicht kommen konnte, da schickte sie ein großes Paket. Und das Beste an diesen Paketen war, dass immer für alle ein eigenes Geschenk dabei war. Egal wer Geburtstag hatte, wir bekamen jede das gleiche Spielzeug. "Damit ihr euch nicht streitet" war Omas Meinung dazu. Uns war das natürlich mehr als lieb.

Fast immer war außerdem Omas Marmorkuchen darin.

Marmorkuchen wie von Oma
Oma trank ihren Kaffee gerne "mit Schuss" zum Kuchen...

Damit er nicht austrocknet, kam er stets gut in Alufolie eingewickelt an.
Zwar ist Marmorkuchen nicht mein absoluter Lieblingskuchen, denn oftmals finde ich den Rand zu trocken. Doch in Omas Rührkuchen stecken Kindheitserinnerungen. Im Gedächtnis ist mir geblieben, wie ich mal mit ihr zusammen den Kuchen in ihrer engen Küchen gebacken habe. Ein paar Tage vorher hatte sie mir meinen ersten BH geschenkt. Übrigens war das eines von den wenigen Geschenken, die ich als einzige bekam. 
Jedoch ist mir nur das Erlebnis als solches präsent geblieben, das Rezept dagegen fehlt mir.

Vor vielen Jahren, ich glaube es könnten gut und gerne bald zehn Jahre her sein, da fragte ich sie danach und sie versprach mir es aufzuschreiben und zu schicken. Irgendwann in einem Oktober bekam ich einen Brief. Natürlich per Post, denn Oma kannte keine eMail. 
Mit Schreibmaschine geschrieben hatte ich nun ihr Rezept.

Omas Rezept für Marmorkuchen mit Schreibmaschine geschrieben

 Allerdings habe ich es nie benutzt. Gut verstaut überdauerte es die Jahre bis dato. Vermutlich weil ich nie wirklich backen konnte. Erst in den letzten Jahren seitdem wir im eigenem Haus leben und eine eigene Küche haben, bin ich damit angefangen. Mittlerweile weiß ich sogar schon das ein oder andere. 

Zum Beispiel, dass die Zutaten zimmerwarm sein müssen.
"Oma, das hast du nicht dazu geschrieben".
Oder aber auch, dass ein Rührteig gerührt werden will, weswegen er schließlich Rührteig heißt.
"Oma, das ist für dich garantiert selbstverständlich". ;-)

Spruch über Kuchen "Ich kann zaubern und Kuchen in Krümmel verwandeln"
...ich genieße ein Stück Kindheitserinnerung,
aber am liebsten mit einem Glas Milch.

Vor allem aber, hätte ich vor zehn Jahren bestimmt nicht gemerkt, dass im Rezept die Angabe für das Mehl fehlt! Hunderprozentig hätte ich den Kuchen wie angegeben gebacken. Oh, wie das Ergebnis wohl ausgesehen hätte? Vor allem -hätte es mir geschmeckt? Leider kann ich sie nach dem vollständigem Rezept nicht mehr fragen, da sie mittlerweile (vor einigen Jahren schon) verstorben ist.  Sie hat es sprichwörtlich mit ins Grab genommen.

Also habe ich bei dem Mehl aus dem Bauch heraus entschieden. Ebenso wie bei der Temperatur und der Backzeit. Was meint ihr? Ob es mir auf Anhieb gelungen ist? Ich für meinen Teil finde es faszinierend, dass ich mich sogar mal selbst überraschen kann und sage nur
"Oma, dir hätte er geschmeckt."

Übrigens habe ich Backkakao,
also ohne Zucker, verwendet!

Ich habe mir heute zu meinem Geburtstag (*hust* ;-)) *zwinker* )gleich zwei Stück davon gegönnt. Mit Milch :-)Gleichwohl er gelungen ist, mit seinem typisch trockenem Rand, schmeckt er nicht wie von Oma. Woran das wohl liegt?

Einschlägige Magazine (wie dieser Blog☺) und studierte Personen vom Fach (mein Kuchenstudium zählt doch, oder?) behaupten ja, dies hänge mit der eigenen Erwartungshaltung ("nur Omas Kuchen, schmeckt wie Omas Kuchen") und den verbundenen Emotionen in der spezifischen Situation ("wo ist das Paket, welches ich vorher auspacke") zusammen. Ich aber denke es liegt daran, weil ich nicht das ganze Rezept habe ;-)

Und bei euch so -was sind eure Lieblingsgerichte aus der Kindheit?
Neugierig bin ich auch, wer von euch etwas genauso kochen kann, wie es Omi oder Mami oder gerne auch Onkel Herbert stets konnte?

Herzliche Grüße
Naddel

Kommentare:

  1. So lieb! Mir gefällt die Geschichte zu dem Kuchen so gut! Deine Großmutter muss eine sehr sympathische Frau gewesen sein. ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG!!!
    Liebe Grüße,
    Veronika

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  2. Liebe Naddel,
    happy birthday to you,
    happy birthday to you.......
    alles Liebe zum Geburtstag.
    Da hast du dir aber einen leckeren Kuchen gebacken, yummie.
    Mein Lieblingsgericht aus der Kindheit
    ist Sate, könnte ich immer Essen.....lecker.
    Liebe Grüße
    Jen

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  3. Hallo liebe Naddel,
    ich habe vor ein Tagen mit meiner Mama über das Thema gesprochen, allerdings ging's bei uns um Graupensuppe. Meine Oma hat eine superleckere Graupensuppe gekocht und meine Mama kocht sie auch ab und zu. Sie meinte dass ihre Graupensuppe zwar auch schmeckt, aber nicht so gut, wie die von Oma. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich gar nix kochen kann wie meine Oma oder Mama. Gibt's überhaupt jemanden der das kann? Meine Tochter hat neulich Salat gemacht, genau wie ich es mache, aber sie erzählte mir am nächsten Tag enttäuscht, dass er nicht wie meiner geschmeckt habe.

    Liebe Grüße, Jeannette

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  4. Allerliebste Glückwünsche zu deinem Geburtstag, liebe Naddel!
    Es ist so, der Kuchen schmeckte nur bei Oma genau so. Nachmachen geht nicht!
    LG und noch einen schönen Abend für dich!
    Doro

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  5. Liebe Naddel,

    alles Gute zum Geburtstag wünsche ich Dir! Eine schöne Geschichte hast Du über Dein Marmorkuchenrezept geschrieben. - Deine Oma war wahrscheinlich eine sehr kluge Frau und für die weise Entscheidung Euch alle gleich zu beschenken, habt ihr sie bestimmt geliebt.
    Ich habe einige meiner Lieblingsrezepte, die meine Oma gerne für uns gekocht hat schon oft nachgekocht, aber so wie ich sie in Erinnerung habe, schmeckt es bei mir nie.

    Liebe Grüße,
    Ingrid

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  6. Liebe Naddel,
    herzlich Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag.
    Ich finde Dein Marmorkuchen sieht wirklich verdammt lecker aus. Ich habe ein paar Lieblingsrezepte von meiner Oma und auch meiner Mutter übernommen. Allerdings habe ich sie im laufe der Jahre abgewandelt, da sie eh nicht so gut schmecken wie bei den Beiden. Was mich aber heute freut, ist die Tatsache, das es Dinge gibt, die nur bei mir so gut schmecken wie sonst bei Keinem. Tja der lauf der Zeit....grins.
    Ich hoffe Du hast schön gefeiert
    Liebe Grüße
    Bettina

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  7. Liebe Naddel..
    Alles Gute zum Geburtstag :))))
    Lass Dir den Oma - Kuchen schmecken.
    Auch ich habe so einige Omarezepte , und wenn sie vielleicht hundertfach so gemacht werden , mich persönlich erinnern Sie immer an die Zeit mit meinen Großeltern . Solche Erinnerungen sind doch toll .
    Liebe Grüße
    Antje

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  8. Ach ja die Omis....
    eine sehr schöne Kindheitserinnerung liebe Naddel.
    Nein ich glaube, ein Kuchen von Omi schmeckt auch nur von Omi selber so gut. Es ist nicht das Rezept, es ist der Zauber der darin liegt :) Und eine gehörige Portion Liebe, die Art ihn zu rühren usw. Aber du kannst ja deinen eigenen Kuchen kreieren, damit deine Enkel sich später mal die Zähne daran ausbeißen, weil sie ihn nicht genauso hinbekommen wie du ;P
    Liebste Grüße Yve

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  9. Liebe Naddel,
    er kann nicht schmecken wie bei Oma, denn Omas Liebe fehlt einfach.
    Da können wir uns noch so sehr anstrengen, das wird nie klappen.
    Meine Oma buk unheimlich leckeren Kirschstreusel. Ich kann machen was ich ich, ich bekomme ihn nie so hin wie sie.
    Wahrscheinlich fehlt die Liebe oder aber der alte Ofen, oder oder oder.
    Oder in unseren Erinnerungen ist er viel besser als er in Wirklichkeit war.
    Jedenfalls hört sich der Kuchen so lecker an, ich werde ihn mal nachbacken, mit Mehr.
    Ganz liebe Grüße
    Nicole

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  10. Hallo Nadine,

    solche Sachen aus der Kindheit sind wunderschöne Erinnerungen. Ich hüte so was wie meinen Augapfel, bringt es doch ein Stück der Vergangenheit zurück.
    Von meiner einen Oma habe ich noch ganz viele Stofftaschentücher (ja, sowas hat man früher benutzt) und von der anderen Oma habe ich ein Bild geerbt welches ein Ururonkel in Öl vom damaligen Haus gemalt hat (für andere total kitschig, aber bei mir hängt es im Schlafzimmer).
    Zudem konnte meine Oma die besten Bratkartoffeln der Welt machen - meine schmecken mir zwar auch sehr gut, aber an Oma's kommen sie nicht ran.

    Dein Marmorkuchen sieht schon auf dem Bild ganz lecker aus, ich denke Du bist einfach zu kritisch oder es fehlt einfach das Verpacken in Alufolie und verschicken. ;-)

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  11. Liebe Naddel,
    Marmorkuchen hatte ich neulich auch wieder gebacken und meinen Männern schmeckt er immer.
    So trockenen Kuchen mag ich eh.
    Bin auch froh,einige Rezepte meiner Oma bekommen zu haben.
    Den Kartoffelsalat konnte nur sie in Perfektion...
    Herzlichen Glückwunsch auch von mir noch nachträglich zum Geburtstag von mir!
    GGLG Kristin

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  12. Von Herzen alles Liebe zum Geburtstag! <3 Ich heule ja noch. Wenn Du so tiefgehend über Oma schreibst, kann ich nicht standhaft bleiben. Ich habe auch noch meine Rezepte von meiner Mama und ihrer Mama. Schön fand ich die Geste, Pakete zu senden. So sehr wünschte ich mir heute eine Oma für meine Kinder, die nur einmal so an sie denkt. Umso schöner war es für mich, jetzt zurückzudenken. Bei meiner Oma waren es die Schweineschnitzel, die sie besser konnte als alle anderen auf der Welt. Ich werde heute noch gefragt, wie ich meine so lecker hinbekomme. Pass gut auf das Kuchen-Rezept auf <3
    Dicker Drücker,
    Wonnie

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  13. Hallo, bin gerade beim stöbern eher zufällig auf deinem Blog gelandet ;-)
    Marmorkuchen ist was zauberhaftes.
    Kindheitserinnerungen sind nicht zu übertreffen, auch wenn man durch das abwandeln der Rezepte die Kuchen im Laufe der Zeit verfeinert ;-)
    Deine Geschichte liest sich sehr schön und man merkt wie sehr Du deine Oma veehrt hast oder noch tust!

    Zu dem Mehl...man geht generell davon aus, das man die Menge von Butter und Zucker addiert, dann hast Du die Mehlzugabe bestimmt ( in deiner Auflistung dann 450g ).
    Wieso ist ein Rand trocken...Meine sind knackig und mir das liebste am Kuchen ;-)
    Gib dem Teig ein wenig Saft oder Sprudel bei ( dann ist er natürlich nicht mehr wie bei Oma ), dadurch lockert sich dein Gebäck...auch am Rand!!!
    Oder gebe etwas Apfelmus in den Teig, oder zusätzlich noch Obst ( Kirschen, Mandarinen )

    Vielleicht magst es ja probieren.

    Ich kann mit Omas Rezepten leider nicht dienen...ich arbeite mit denen von meiner Mutter...und sie sagt selbst: Deine Ergebnisse sind besser ;-)))
    Allerdings kreiere ich auch selber und experimentiere mit den Zutaten herum!

    Weiterhin viel Freude mit dem Marmorkuchen wünscht
    Angela

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  14. Solche Oma Rezepte sind toll, da hab ich auch einige. Ich verbinde mit meiner Oma die quadratische Marzipanschokolade. Die hat sie mir immer mitgebracht wenn sie früher zu Besuch kam. Als Kind konnte meine Mama mich immer mit Milchreis glücklich machen. Das war mein absolutes Lieblingsessen. Heute kann man mich damit jagen. Aber bei Mama schmeckt es trotzdem noch immer am besten. :)
    Dein Kuchen sieht sehr lecker aus und gut, dass du das fehlende Mehl noch bemerkt hast. Das wäre sonst bestimmt ein sehr merkwürdiger Kuchen geworden. ;)
    Liebe Grüße,
    Nicole

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  15. hallo nadine,

    was für eine schöne erinnerung. dass ihr alle immer dasselbe geschenk bekommen habt (außer den BH) finde ich süß, und sehr effektiv XD die anekdote mit dem mehl finde ich lustig. und ich finde, dass dir der kuchen definitiv gelungen ist, dafür dass du aus dem bauch raus entscheiden musstest :)

    danke für deinen gruß auf meinem blog. ja, es geht mir gut, und immer besser. leben zu zweit ist einfach schöner als alleine, auch wenn man auch zuvor glücklich war. danach ist man es umso mehr.

    liebe grüße
    dahi

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  16. Liebe Naddel,
    ich sags Dir - die alten Rezepte sind die besten. Ich hab von meiner Oma
    ein altes "bayerisches Kochbuch" von 1951 bekommen, das ist super.
    Meine ganzen Plätzchenrezepte hab ich da raus und die gelingen immer
    und schmecken oberlecker!
    Deine Geschichte ist sehr schön zu lesen!
    Übrigens der Lavendel blüht dann in diesem Jahr auch schon, sind richtige
    kleine Pflanzen, wie sie so typisch zu kaufen sind.
    Glg Christiane

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  17. KNUUUTSCH! Als erstes alles Gute zum Geburtstag! :D
    Meine Oma konnte super Dampfnudeln machen! Oben süß und unten die Krüstchen dran waren salzig... mmmmh.... dann die Fleischküchelchen: Wenn vom Sonntagsbraten Fleisch übrig blieb, durch den Fleischwolf drehen und verarbeiten wie Hackfleisch, dann braten, MJAM! Hab ich 1x gemacht und es hat wirklich wie bei Oma geschmeckt :D aber die Dampfnudeln... da steh ich auf Kriegsfuss mit. Blöder Hefeteig. Ich bin ja schon froh, wenn ich Bisquit hin bekomme! (siehe neuer Post, kicher)
    Ich drück dich!
    Dani

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